Gesetzeslücken bei Pauschalreisen: Achten Sie auf die Details

Gesetzeslücken bei Pauschalreisen: Achten Sie auf die Details

- in Reisenachrichten
784
-Anzeige-

Pauschalurlauber bezahlen ihre Reise oft schon Monate bevor sie stattfindet. Kein Wunder, denn: So sichern sie sich die besten Plätze und sparen meistens noch dabei. Doch was ist, wenn sie die Reise gar nicht mehr antreten können, weil der Anbieter vor Ort insolvent ist? Oder wenn die Reise zwar stattfindet, aber der Zubringerzug ausfällt? Wir klären über drei häufige Streitfragen auf.

Verspätung Pauschalreisen
Verspätung bei Pauschalreisen: In vielen Fällen muss der Reiseveranstalter zahlen
Quelle: Mark Hodson @ flickr.com

Bei verspätetem Zug: Auf die Reisebestimmungen achten

Verpasst ein Reisender wegen eines verspäteten Zugs seinen Flug, muss der Reiseveranstalter dafür einstehen, wenn die Anreise Teil der Pauschalreise ist. Das gilt insbesondere für Rail&Fly-Tickets. Der Hintergrund: Immer dann, wenn ein Reiseveranstalter eine (Teil-)Leistung als seine eigene ausgibt, kann er dafür haftbar gemacht werden, wenn sie nicht stattfindet. Allerdings muss sich der Reisende dafür auch an die Hinweise des Veranstalters halten und eine Abfahrtszeit wählen, mit der sie den Abflughafen spätestens 2 Stunden vor Abflug erreichen müssten. Achtung: Bucht der Urlauber das Rail&-Fly-Ticket auf eigene Faust dazu, ist er selbst dafür verantwortlich, den Flughafen rechtzeitig zu erreichen.

Die Gerichte nehmen die Anbieter von Pauschalreisen aber nicht grundsätzlich in die Pflicht, wenn es um Verspätungen geht. Bei Zubringerflügen sieht es, im Gegensatz zu Zubringerzügen, schon anders aus. Hier muss der Anbieter nämlich nur dann für Verspätungen aufkommen, wenn sie ihr Endziel, nicht aber eine Zwischenstation 3 Stunden zu spät erreichen. Handelt es sich um zwei völlig unterschiedliche Flüge, hat der Reiseanbieter sie nur für seine Pauschalreise gekoppelt und ist auch nicht für Verspätungen verantwortlich. Betroffene sollten sich in solchen Fällen an die Fluggesellschaft wenden.

Bei Insolvenz des Reiseveranstalters: Rechte einfordern

Insolvenz des Reiseveranstalters:
Touristen-Hochburgen wie diese sind für ihre günstigen Preise bekannt. Doch was, wenn sie vor Reiseantritt pleite gehen?
Quelle: Vallartavelas @ flickr.com

Die Reiseversicherung, die die Reisenden vor Insolvenz des Reiseveranstalters schützen soll, gehört eigentlich zum Standard bei Reiseangeboten. Doch es gibt Fälle, die selbst die Versicherer überraschen, weil sie sie gar nicht berücksichtigt haben. Dazu zählt die Insolvenz des Anbieters vor Ort. Aber nur, weil die deutsche Versicherung keinen Einfluss darauf hat, ob sich ein Hotel verspekuliert, entbindet sie das nicht von ihrer Leistungspflicht. Das gilt insbesondere dann, wenn das Hotel betrügerisch handelt. Urlauber müssen aber auch selbst darauf achten, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Sie sollten sich Buchungsbestätigung und Sicherungsschein immer gleichzeitig geben lassen. Ohne ihn darf der Reiseveranstalter den Buchungspreis nämlich gar nicht entgegennehmen.

Hat man, wenn man eine Reise im Internet als „Gesamtpaket“ bucht, dieselben Rechte wie ein Pauschalurlauber?

Überfahrten und Führungen
Häufiger Bestandteil eines Pauschalangebots: Überfahrten und Führungen
Quelle: Marinakvillatoro @ flickr.com

Möglicherweise haben Urlauber, die sich für eine solche maßgeschneiderte Reise entscheiden, bald dieselben Rücktrittsmöglichkeiten wie Pauschalurlauber. Das ist besonders für Frühbucher entscheidend. Die können, wenn sie ihre Reise ein halbes Jahr vorher buchen, nämlich noch gar nicht absehen, wie sich das Land bis dahin entwickelt. Auch für die einen oder anderen „Auswüchse“, denen sich Urlauber bei der nachträglichen Preisgestaltung ihres Anbieters ausgesetzt sahen, soll es bald Schranken geben. Denn dieser soll die Preise im Nachhinein nicht selbständig erhöhen dürfen. Das gilt auch dann, wenn er selbst mit höheren Kosten, beispielsweise für Kerosin, konfrontiert wird.

Die Reiseveranstalter begegnen diesen Vorschlägen kritisch. Und jetzt auch noch das: Die Finanzbehörden fordern Gewerbesteuer für Hotelkapazitäten im Ausland von ihnen zurück. Es wird dadurch sehr teuer für sie, alle Teilleistungen, also Transfer, Flug, Hotel und Reisebetreuung zu finanzieren. TUI Vorstandschef Friedrich Joussen geht deswegen davon aus, dass nicht nur das Überleben einiger weniger Anbieter (bis zu 25.000 Arbeitsplätze), sondern das Modell des Pauschalurlaubs selbst auf dem Spiel steht.

Was für die Veranstalter verständlicher Weise belastend ist, kommt Urlaubern, die selbst im Supermarkt mit Billigreisen konfrontiert sind, gerade recht. Denn bisher waren sie verunsichert darüber, welche Rechte sie mit dem vermeintlich billigen Angebot tatsächlich erwerben. Durch den Gesetzesvorstoß wird die Pauschalreise möglicherweise zu dem, was sie eigentlich sein soll: die Rundum-Sorglos-Reise.

Der Artikel ist ein Gastbeitrag von Bernhard Reise. Der Versicherungsmakler unterstützt bei der Vorbereitung auf Bildungsreisen ins Ausland mit einem Team aus Versicherungsexperten.

 

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.